Von P. Benny George Moonjanattu OCD

Die Berge spielen im Leben Jesu eine große und wichtige Rolle. Jesus geht oft auf einen Berg. Er geht auf die Berge, um sich zurückzuziehen, um allein zu sein, um zu beten. Jesus geht auf den Berg, um zu predigen. Er spricht zu den Leuten auf dem Berg der Seligpreisungen.

Letzte Woche wurde uns der Berg der Versuchung im Evangelium vorgestellt. Der Teufel führte Jesus ebenfalls auf einen Berg, um ihm alle Reiche der Welt zu zeigen.

Wir haben heute über einen weiteren Berg gehört: Der Taborberg! Es darf uns nicht wundern, wenn wir Jesus oft auf einem Berg antreffen. Ein Berg ist dem Himmel einfach näher. Der Berg ist Gott näher. Auch Golgota, der Ort, wo Jesus gekreuzigt wurde, ist nicht zufällig eine Anhöhe, ein Berg.

Gerade die beiden Berge Golgota und Tabor stehen in einem krassen Gegensatz: Tabor, wo Jesus verklärt wurde und Golgota, wo Jesus den Tod erlitt. Auf Golgota hängt Jesus zwischen zwei Verbrechern. Der eine verspottet Jesus, der andere bereut seine Sünden und bittet für sich um ein Gedenken, wenn er in sein Reich kommt.

Auf Tabor ist Jesus auch in der Mitte. Es erscheinen links und rechts Elija und Mose. Sie repräsentieren das Alte Testament. Elija als Symbol des Prophetentums und Mose als Symbol des Gesetzes.

Die beiden Berge Tabor und Golgota bedeuten also auch unser eigenes Leben. Es gibt Zeiten in unserem Leben, da möchten wir Hütten bauen, da geht es uns gut und wir möchten die Zeit sozusagen festhalten. Wir möchten, dass es immer so schön sein soll. Dann aber gibt es auch die Zeit von Golgota. Es gibt Tage, die nicht so schön sind. Es gibt immer wieder Tage, an denen wir leiden; Tage, die wir am liebsten vergessen würden; Tage, an denen wir vielleicht verspottet werden, so wie Jesus am Kreuz verspottet wurde.

Für die drei Jünger war dieses Erlebnis auf dem Berg Tabor auf alle Fälle etwas Besonderes, etwas besonders Schönes. Auf diesem Berg wurde Jesus bezeugt als der Sohn Gottes von dem himmlischen Vater: „Das ist mein geliebter Sohn. Auf ihn sollt ihr hören.“

Liebe Schwestern und Brüder, In der Fastenzeit sind wir eingeladen, hinaufzusteigen auf den Berg der Verklärung und unser Leben aus einer anderen Perspektive anzuschauen. Wir brauchen beides: den Aufstieg, um unser Leben „von oben“ betrachten zu können, und auch die Rückkehr in das alltägliche Leben, wo wir Jesus richtig nachfolgen können.

Am vergangenen Sonntag haben wir von der dreifachen Versuchung Jesu gehört. Hier stand die Menschlichkeit Jesu im Mittelpunkt. Jesus, der ein total menschliches Schicksal auf sich genommen hat mit Hunger, Durst, Schmerz, Freude, Versuchung und Bewährung. Am heutigen Sonntag steht die Göttlichkeit Jesu im Mittelpunkt. Mit diesen beiden Evangelien möchte Jesus uns klar machen, dass Versuchung und Verklärung einfach zu unserem Leben gehören. Trotz aller Versuchungen, soll die Stimme Gottes in der Verklärung Jesu uns in der Fastenzeit begleiten: „Dies ist mein geliebter Sohn, den ich erwählt habe, auf ihn sollt ihr hören“. Amen