#beziehungsweise – jüdisch und christlich: näher als du denkst

Diese ökumenisch verantwortete Kampagne macht aus christlicher Perspektive die einzigartige Beziehung zwischen Judentum und Christentum bewusst und setzt ein Zeichen gegen Antisemitismus, der auch christliche Wurzeln hat.

Im Grundgedanken sollen die Gemeinsamkeiten mit unseren jüdischen Geschwistern im Festkreis des Jahres und im religiösen Leben aufgezeigt werden,
-> um auf diese Weise zum einen die Geschwisterlichkeit der jüdischen und christlichen Traditionen zu verdeutlichen
-> und zum anderen auch die unterschiedlichen Traditionen unserer Religionen zu benennen

Das Stichwort „beziehungsweise“ lenkt den Blick auf die verbindenden biblischen und theologischen Grundlagen und zugleich auf die unterschiedlich gelebten Beziehungsweisen zwischen Christentum und Judentum.
In respektvoller christlicher Bezugnahme auf das vielfältige und reiche jüdische Leben soll dem Antisemitismus mit einer kreativen und emotional gewinnenden Kampagne begegnet werden.
Die Kampagne versteht sich auch als ein Beitrag zum Festjahr 1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland.

eine christliche Stimme:

Sowohl Judentum als auch Christentum kennen Rituale des Erwachsenwerdens und Zeichenhandlungen, welche die zivile und religiöse Mündigkeit zum Ausdruck bringen, aber auch die Einladung zum christlichen Zeugnis in der heutigen Welt und zur Mitarbeit in der Gemeinde. In der römisch-katholischen Kirche ist die Firmung das Sakrament der Mündigkeit. Der Bischof verleiht und feiert die Gabe des Geistes unter Gebet und Salbung bzw. Handauflegung. Die Firmanden empfangen Gottes Geist. Sie erwidern den Friedensgruß und sind bereit, sich selbst mit ihren Charismen in den Dienst der Menschen zu stellen. Die Firmpat*innen unterstützen sie dabei, was sie mit der Hand auf der Schulter der Jugendlichen signalisieren.

In der Evangelischen Kirche bekräftigen junge Menschen ihre Aufnahme in die christliche Gemeinde, die zuvor mit der Taufe, meist im Säuglingsalter, geschehen ist. In der Konfirmanden-Zeit lernen die jungen Menschen die Grundlagen des christlichen Glaubens kennen, üben sich in christlicher Spiritualität ein und engagieren sich im Gemeindekontext. Nach dem Fest der Konfirmation sind sie eingeladen, ihren Weg des Glaubens in der Gemeinschaft anderer Christinnen und Christen weiter zu gehen und sich mit ihren Gaben und Fähigkeiten in der Gemeinde einzubringen.

Prof. Dr. Stephan Leimgruber

eine jüdische Stimme:

Im Judentum gelten Mädchen mit 12 und Jungen mit 13 Jahren als erwachsen, das heißt, in der Lage, Verantwortung für das eigene religiöse Leben und für die Erfüllung der Gebote vor Gott und den Menschen zu übernehmen. Von diesem Zeitpunkt an werden sie als „Bar Mitzwah“ bzw. „Bat Mitzwah“, als „Sohn/Tochter der Verpflichtung“, betrachtet und sind selbst verantwortlich für das Halten der Gebote. Erst seit dem Mittelalter begehen Jungen den Beginn dieser neuen Lebensphase mit einer Zeremonie, zu der das Rezitieren der Torah im Gottesdienst, ein Lehrvortrag und das Anlegen der Tefillin (Gebetsriemen) gehören. Von nun an werden sie zum Minjan, also des für bestimmte Gebete und Rituale notwendigen Quorums von zehn Männern, gerechnet. Für Mädchen bildeten sich erst im Verlauf des 20. Jahrhunderts verschiedene Formen heraus, um die Bat Mitzwah zu feiern.

Die Vorbereitungen für die Bar/Bat Mitzwah ziehen sich bei Kindern je nach Vorwissen und Gemeindepraxis über ein bis drei Jahre hin. Im Gottesdienst legen sie zum ersten Mal ihren Tallit an und tragen den Wochenabschnitt der Torah ganz oder teilweise vor, meist in der traditionellen musikalischen Rezitationsweise. Dazu kommt noch die Haftarah, die Prophetenlesung, in Hebräisch oder in der Landessprache. Danach folgt eine kurze Predigt, manchmal wird auch ein Teil des Gottesdienstes vorgebetet. Daran schließt der Kiddusch, ein festlicher Imbiss, in der Gemeinde an und danach wird im privaten Rahmen mit Familie und Freundeskreis weitergefeiert.

– Rabbinerin Dr.in Ulrike Offenberg

Mehr dazu auch unter www.juedisch-beziehungsweise-christlich.de

oder beim Bistum Münster www.bistum-muenster.de/juedisch-beziehungsweise-christlich

Bischof Felix Genn ermutigt in einem Brief die Pfarreien und Gemeinden zur Mitwirkung an der ökumenischen Initiative: