#beziehungsweise – jüdisch und christlich: näher als du denkst

eine christliche Stimme:

Das Abendmahl ist ein Fest der Offenbarung Gottes. Rituell verdichtet erscheinen die Ursprungsmomente christlichen Weltverständnisses: Tod und Auferstehung Jesu, Schöpfung und Erlösung. Bruchstückhaft nur lässt sich das zur Sprache bringen. Denn das „Wort im Anfang“, der schöpferisch sprechende Gott, der in Christus Mensch wurde, starb am Kreuz. Mit ihm verschied die Verständlichkeit der Welt. Aus diesem Abgrund des Todes aber kommt uns Gott entgegen, stiftet neuen Sinn. Im Abendmahl geschieht Auferstehung – als Hoffnung, Wahrheit und Leben jenseits des Sagbaren.

Das Abendmahl holt das Christusereignis in die Gegenwart. Christus hat sein Liebesopfer einmal vollzogen – damit ist alles für alle Zeit gesagt. Nunmehr verwirklicht sich christliche Religion im Glauben an das, was geschehen ist: Für dich gestorben. Abendmahl heißt: Sich in dieses „Für dich“ zu fügen. Dies geschieht in der Gemeinschaft derer, die sich versammeln zum Essen und Trinken. Sie feiern mit Christus bereits jetzt in der neuen Welt sein Festmahl. Gegenwart und Zukunft Gottes fallen in eins.

Das Abendmahl steht für eine lebenslange Umkehr. Es ist eine Wegzehrung. Der Mensch, der sich in Schuld und Entfremdung selbst verloren hat, erfährt Vergebung und Neuanfang. Im Abendmahl schmecken wir das süß werdende Brot auf der Zunge. Im Einfachsten sind wir gehalten – als Wesen in der Schwebe, gefallen und erhoben von Gott in einem Augenblick.

– Dr. Christian Lehnert

eine jüdische Stimme:

Rosch HaSchanah und Jom Kippur gelten als die Hohen Feiertage des Judentums, denn an ihnen werden Fragen von Leben und Tod verhandelt.

„Wer wird leben und wer wird sterben?“, fragt ein bekanntes Gebet, das zum jüdischen Neujahr und zum Versöhnungstag gesagt wird. Die dazwischenliegenden Zehn Tage der Umkehr werden als eine Zeit des Gerichts verstanden, in der Gott über unsere Fehler und Versäumnisse richtet und dementsprechend ein Urteil zu einer guten oder einer düsteren Zukunft über uns verhängt. Wir bemühen uns, diesen Richterspruch zu unseren Gunsten zu beeinflussen, indem wir selbstkritisch unser Leben betrachten, unsere Verfehlungen erkennen und uns ändern.

Doch es genügt nicht, zu Gott um Vergebung zu flehen. Unrecht und Verletzungen, die wir anderen Menschen zugefügt haben, müssen wir selbst in Ordnung bringen: Zu diesen Menschen hingehen, um Verzeihung bitten und auch Verzeihung gewähren, den Schaden wiedergutmachen, steht als religiöses Gebot nicht hinter Gebet und Fasten zurück.

Erst dann können wir auf Versöhnung hoffen und einen Neuanfang mit Gott, mit unseren Nächsten und auch mit uns selbst wagen.

– Rabbinerin Dr.in Ulrike Offenberg

Die Kampagne

Diese ökumenisch verantwortete Kampagne macht aus christlicher Perspektive die einzigartige Beziehung zwischen Judentum und Christentum bewusst und setzt ein Zeichen gegen Antisemitismus, der auch christliche Wurzeln hat.

Im Grundgedanken sollen die Gemeinsamkeiten mit unseren jüdischen Geschwistern im Festkreis des Jahres und im religiösen Leben aufgezeigt werden,
-> um auf diese Weise zum einen die Geschwisterlichkeit der jüdischen und christlichen Traditionen zu verdeutlichen
-> und zum anderen auch die unterschiedlichen Traditionen unserer Religionen zu benennen

Das Stichwort „beziehungsweise“ lenkt den Blick auf die verbindenden biblischen und theologischen Grundlagen und zugleich auf die unterschiedlich gelebten Beziehungsweisen zwischen Christentum und Judentum.
In respektvoller christlicher Bezugnahme auf das vielfältige und reiche jüdische Leben soll dem Antisemitismus mit einer kreativen und emotional gewinnenden Kampagne begegnet werden.
Die Kampagne versteht sich auch als ein Beitrag zum Festjahr 1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland.

Mehr dazu auch unter www.juedisch-beziehungsweise-christlich.de

oder beim Bistum Münster www.bistum-muenster.de/juedisch-beziehungsweise-christlich

Bischof Felix Genn ermutigt in einem Brief die Pfarreien und Gemeinden zur Mitwirkung an der ökumenischen Initiative: