Die Kirche im Dorf lassen


Mit der Christianisierung des Römischen Reiches nach der Konstantinischen Wende geht eine rasante Zunahme der Gläubigen einher. Es entstehen zunächst in den Städten Ortskirchen, die unterschiedlich bezeichnet werden: paroecia (Wortwurzel „Pfarre“), ecclesia (Kirche), dioecesis (Diözese). Diese städtischen Ortskirchen entsenden Wanderseelsorger zur religiösen Versorgung kleiner Ortschaften auf dem Land, wo mit der Zeit eigene Seelsorgestellen und gottesdienstliche Zentren entstehen, die zunächst kein eigenes Vermögen und keine Selbstständigkeit haben. Dennoch sind sie die Keimzellen späterer Pfarreien, die im Mittelalter entstanden in enger Anlehnung an das Lehnswesen.

Die Kirchen wurden als Pfründe vergeben, die die Pflicht und das Recht zur geistlichen Leitung und zum Betrieb der geliehenen Kirche umfassten. Durch den von Bischöfen erlassenen Pfarrbann, der regelte, dass die Pfarrangehörigen in ihrem jeweiligen „Kirchspiel“ den Gottesdienst zu besuchen, die Sakramente zu empfangen und den Zehnten zu leisten hatten, entstanden die Pfarreien.

Mit der Zeit – besonders auch noch einmal nach Ende des Zweiten Weltkriegs – wuchs die Anzahl der Pfarreien und Gemeinden enorm. Eine Entwicklung, die in beiden Konfessionen aus unterschiedlichen Gründen an eine Grenze gekommen ist. Mit der sinkenden Zahl von Gläubigen und dem damit verbundenen Rückgang an Hauptamtlichen (besonders dem Priestermangel in der katholischen Kirche) und dem abzusehenden Rückgang finanzieller Möglichkeiten werden seit wenigen Jahrzehnten auch unter ökonomischen und administrativen Gesichtspunkten Gemeinden zusammengelegt, zum Teil aufgelöst, Kirchengebäude veräußert. Ein Trend zu XXL-Gemeinden, gegen den sich auch Widerstand regt. Auf Gemeindeebene gegen den Verlust der Kirche vor Ort und dem damit einhergehenden Verlust von Nähe, Gemeinschaft, Beheimatung und Beteiligung, aber auch in der Theologie und in der katholischen Kirche vonseiten des Vatikan.

Eine spannende Entwicklung.